Nun schaute sie schon das dritte Mal auf ihr Handy. Immer noch zeigte sich kein kleines Briefsymbol auf dem Display. Auch kein „Anruf in Abwesenheit“ – Symbol war eingeblendet. Natürlich nicht. Jeden Anruf hätte sie mitbekommen. Keine Sekunde ließ sie ihr Mobiltelefon aus den Augen. Aus Sekunden wurden Minuten und aus Minuten unendlich lange Stunden. Er hatte sich nun seit dem Vorabend nicht mehr bei ihr gemeldet. Sie wusste, dass er mit seinem Vater unterwegs war. Mit dem Motorrad in Frankreich. Und gerade das machte ihr Angst. Mit dem Motorrad….Aber vielleicht war auch einfach nur die Sms noch nicht angekommen. Immerhin war es ja Ausland, wo er war. Ja genau!. Er „WAR“ dort! Rein theoretisch müsste er wieder in Deutschland sein. Es war mittlerweile 3 Uhr nachmittags. Ja, er musste wieder in Deutschland sein. Sie hatten bei Bekannten zu Mittag gegessen, und das war irgendeine Stadt in Deutschland gewesen. Logischerweise eine Stadt auf dem Heimweg. Eine Stadt, ein Halt, ein kurzer Stopp bevor er heimkommen sollte. Heim zu ihr! Aber er war nicht hier. Er hatte ihr versprochen zweimal am Tag zu schreiben während er in Frankreich ist. Mittags und abends. Doch diesen Mittag kam keine Nachricht. Was war nur geschehen? Irgendetwas stimmte nicht. Er würde ihr niemals so Angst machen wenn er in der Lage wäre sich zu melden. Ja, WENN er in der Lage wäre. Sie nahm das Handy stand vom Stuhl auf und machte das Radio an. Nicht um Musik zu hören. Sie wollte Nachrichten verfolgen, Stauschau hören. Die Sachen die sie sonst so nervten. Nun wollte sie nichts anderes hören. Doch gleichzeitig wollte sie es auch nicht. Was wäre wenn wirklich was passiert ist? Die Tränen schossen ihr in die Augen und betäubten ihr Denken. Einzig und allein die Angst blieb. Angst vor einer schrecklichen Nachricht und panische Angst vor einem Leben ohne ihn. Sie taumelte auf ihr bett und die Tränen flossen unaufhaltsam in das Kopfkissen. Erinnerungsfetzen schossen ihr durch den Kopf. Gemeinsame Abende mit ihm. Seine sanfte Stimme und seine beruhigende Art. Sein Lächeln. Seine Augen die ihr immer wieder zeigten, dass sie geliebt wird. Seine beschützenden Arme, wenn sie mal nicht mehr konnte…Sie vermisste ihn. Sie vermisste ihn so unendlich doll. Sie beide hatten Träume gehabt. Träume von einer gemeinsamen Zukunft. Einem gemeinsamen Zuhause und einer Familie…Was war nur passiert. Was war geschehen, dass sie alles so deutlich sah. Wie als würden diese Bilder sich von ihr verabschieden. Wieder krampfte sich alles in ihr und wieder fing sie bitterlich an zu weinen. Nein! Es durfte einfach nicht sein! Er durfte nicht aus ihrem Leben gegangen sein! Er konnte sie nicht hier zurück lassen! Alles in ihr fühlte sich so weit weg an…Alle Bilder, Geräusche und Gefühle. Alles, wie in Watte gepackt.
So hörte sie nicht, als es unten hektisch an der Tür klingelte. Und sie sah auch nicht, wie jemand ihr Zimmer betrat. Und hörte nicht wie jemand langsam und behutsam auf sie einredete. Sie war zu weit weg. Sie spürte nur eine Warme Hand in ihren Träumen…Seine Hand. Er hielt sie fest. Er war sicher da um sie zu holen, wo auch immer er jetzt war oder hinging. Ohne ihn leben würde sie nicht und sie könnte es nicht. Sie brauchte ihn, weil erst er ihr Leben komplett gemacht hatte. Er hatte ihr Träume gegeben. Hoffnung und Liebe. Verständnis und das Gefühl von endlosen Glück! Sie schmiegte sich an ihn, in diesem wundersamen Traum. Doch irgendwas stimmte nicht. Ein Schütteln? Sie wurde geschüttelt. Sie wehrte sich dagegen. Niemand würde sie von ihm trennen können. Wer auch immer es war, sie wollte IHM folgen, bei IHM bleiben. Dann spürte sie ein Kribbeln auf ihren Lippen. Plötzlich. Wie warmer Sommerregen. Es wurde warm und wärmer. Sie merkte wie ihr Herzschlag sich beruhigte. Wo kam es her? Es fühlte sich wie SEIN Kuss an, aber er war plötzlich nicht mehr da, in ihrem Traum. Er war fort gegangen, einfach so. Aber sie war sich sicher, DAS war SEIN Kuss. Erschrocken öffnete sie die Augen und sah in sein Gesicht. Er saß vor ihr, mit Tränen in den Augen aber sichtlich erleichtert, dass sie die Augen geöffnet hatte. Er drückte sie an sich, in seine warmen Arme. Sie spürte sein Herz rasen, er zitterte. Sie verstand die Welt nicht mehr aber sie spürte, dass es echt war. ER war echt, er war nicht tot. Er lebte und war bei ihr, flüsterte in ihr Ohr und streichelte ihr Haar. „Verzeih mir mein Engel, ich lasse dich nie wieder warten!“ Eine Träne rollte ihr erneut über die Wange. Aber nicht aus Angst oder Trauer, sondern aus Freude, aus Glück! Sie lag in seinen Armen. Sie lebten, sie hatten sich wieder! Die Erleichterung übermannte sie mit einem Schlag. Sie fühlte sich plötzlich so schwach. Vor lauter Erschöpfung schlief sie in seinen Armen ein. Denn er war nun da, um auf sie aufzupassen. Er war da und würde nicht gehen. Sie wusste, dass wenn sie aufwachte, sie nicht alleine wäre. Er würde bei ihr bleiben. Von nun an für immer.
Diese Geschichte widme ich meinem Freund und hoffe, ihn bald wieder Gesund in meine Arme schließen zu können!
Ein großes „Danke!“ geht an Katrin, die mich überredet hat, eine solche „Geschichte“ im Kontrast zu „Die Autobahn“ zu schreiben

